Von Burg zu Burg

LRVBW-Rudertour auf dem Neckar vom 27. bis 30. August 2009

Wanderfahrt Neckar

Eine elfköpfige Gruppe von Ruderinnen und Ruderern traf sich am 26. August in Eberbach am Rande des Odenwalds zur 126 km langen Wanderruderfahrt des Landesruderverbandes Baden-Württemberg auf dem Neckar. Entlang der romantischen Burgenstraße führte die Tour durch eine spätsommerlich anmutende Mittelgebirgslandschaft vorbei an einer Vielzahl von idyllischen Orten, Burgen und Schlössern — immer wieder unterbrochen von den Schleusen der von einigem Fracht- und Personenschifffahrtsverkehr benutzten Binnenwasserstraße.
In Eberbach bezogen wir unser Standquartier im Gasthof Linde. Hier hatten die Teilnehmer beim Abendessen dann auch eine erste Gelegenheit, sich kennenzulernen und Einzelheiten für den nächsten Tag zu besprechen. Unsere Gruppe war bunt gemischt: Fünf Mitglieder des Überlinger RC Bodan, darunter unser Fahrtenleiter Werner Rudolph, drei Teilnehmer aus dem Salzkammergut (Österreich), ein Engländer vom Ulmer Ruderclub Donau sowie unser Senior von der Stuttgarter RG, Rudi Neumann, der mit 80 Jahren noch immer rudert wie ein junger Gott. Fedor Grißtede von der Rudergesellschaft Eberbach hatte das Konzept für die Ruderfahrt ohne Bootshängertransporte erarbeitet und auf früheren Wanderfahrten erprobt.
Ausgangspunkt für die beiden Tourenziele Heidelberg und Neckarzimmern war jeweils Eberbach. Mit den beiden gesteuerten Vierern „August Krauth“ und „Friedrich Bögner“ der RGE, stand als erste Etappe die 35 km lange Fahrt von Eberbach nach Heidelberg auf dem Programm.

 

Heidelberg-Romantik

Als wir am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein am Clubhaus der RGE eintrafen, erwartete uns Fedor Grißtede, der uns zuerst auf die wichtigsten Regeln für den Flussverkehr hinwies, was bei einer Schleusendurchfahrt zu beachten ist und wie wir Lastkähnen und Ausflugsschiffen gefahrfrei ausweichen. Danach stiegen wir in die Boote und los ging‘s. Doch nach wenigen Kilometern mussten wir schon eine Zwangspause einlegen: Verschiedene Ruderkommandos sorgten für Verwirrung aufgrund der regionalen Sprachunterschiede der Teilnehmer. Also mussten wir uns zuerst auf eine einheitliche Regelung verständigen. Danach konnten wir uns ganz entspannt flussabwärts bewegen und die Burgen, die sich auf den Höhen entlang des Neckars rechts und links zeigten, bewundern.

In Hirschhorn, wo wir die erste Schleuse passierten, kam der Hexenturm in Sicht und nach der zweiten Schleuse bei Neckarsteinach das „Schwalbennest“, eine Folge von vier Burgen, darunter die Burg Schadeck. In Neckargemünd legten wir am Fuße der Altstadt eine Pause ein, wo uns der Landdienst mit einem köstlichen Picknick verwöhnte. Wieder auf dem Wasser folgte eine weitere Schleuse. Und wieder begleiteten uns stolze Burgen entlang des Neckars, sowie auch die beeindruckende Orts-und Burganlage Dilsberg hoch oben auf einer Bergkuppe.
Je näher wie der Universitätsstadt Heidelberg kamen, desto dichter wurde der Verkehr auf der Wasserstraße, die von Motorbooten und Ausflugsschiffen belebt war. Dann tauchte plötzlich das alte Renaissanceschloss auf, das über der Altstadt thront. Bis zu seiner Zerstörung Ende des 17. Jahrhunderts war es rund 400 Jahre Residenz der Kurfürsten von der Pfalz. Die übrig gebliebenen Fassaden lassen bis heute die einstige Schönheit dieser Anlage erkennen, der das weiche Nachmittagslicht einen zusätzlichen Zauber verlieh. Endlich am Ziel, zogen wir unsere Boote bei der RG-Heidelberg an Land, wo sie bis zum nächsten Morgen bleiben sollten. Nun freuten wir uns auf einen ausgiebigen Bummel durch Alt-Heidelberg, den wir alle sehr genossen. Am späteren Abend kehrten wir schließlich mit der S-Bahn zurück nach Eberbach in unser Quartier.
Bevor wir am nächsten Morgen wieder mit der S-Bahn zurück nach Heidelberg fuhren, besuchten wir die bekannte Bootswerft Empacher in Eberbach. Hier werden die gelben Weltklasseboote gefertigt, welche das Herz eines jeden Ruderers höher schlagen lassen. In einem aufwändigen Sandwichkonstruktionsverfahren werden die Boote aus Hightech-Materialen geformt und maßgeschneidert.
In Heidelberg bei unseren beiden Vierern angelangt, ging es dann „bergauf“ zurück nach Eberbach. Durch die verschiedenen Staustufen bemerkten wir die Gegenströmung kaum. Und wieder freuten wir uns – nun in der Gegenrichtung – am Anblick der vielen Burgen, welche der Landschaft ihren besonderen Reiz verleihen, erfreuen. Das Panorama dieses romantischen Neckartales konnten wir auch bei einer Mittagspause von einem hochgelegenen Terrassenlokal in Rainbach aus genießen.

 

Besuch beim Götz

Am nächsten Tag sollte unsere 24 km lange Ruderetappe von Eberbach flussaufwärts nach Neckarelz führen. Ein Schiebewind erleichterte zu unserer Freude das Rudern sehr. Es war ein wahrer Genuss, die Skulls einmal ausbreiten zu können und zu „segeln“. Allerdings verwiesen uns einige Lastkähne bald wieder von der Mitte auf in die Innenkurve des Flusses. Nach der Staustufe von Rockenau beeindruckte uns der Anblick von Schloss Zwingenberg. Die gut erhaltene Festung ist heute im Besitz des Prinzen Ludwig von Baden.
An der Endstation, dem Ruderclub Neptun in Neckarelz, rasteten wir und entschieden uns dann, noch 4 km weiter bis Neckarzimmern zu rudern, um unser heutiges Ausflugsziel, die Götzburg Hornberg auch noch von unten – vom Neckar aus – betrachten zu können, bevor wir mit dem Auto unseres Landdienstes zur Burg gebracht wurden. Wir streiften durch die alte Festung, wo einst Götz von Berlichingen nach dem verlorenen Bauernkrieg – teils zwangsweise – die letzten 45 Jahre bis zu seinem Tode 1562 verbrachte. Abschließend stiegen wir auf den Eckturm der Burg und wurden mit einem grandiosen Blick auf das Umland belohnt. Im nahe gelegenen Mosbach bestiegen wir die Bahn und kehrten nach Eberbach zurück.
Beim gemeinsamen Abendessen gab es Dankesworte für die konzeptionelle Ausarbeitung der Wanderfahrt und die Vor-Ort-Unterstützung an Fedor Grißtede, für die Bootsobleute, die die Boote sicher auf dem Wasser führten (Gregor Grißtede und Rudi Neumann) und an die Fahrtleitung von Werner Rudolph. Alle Fahrtteilnehmer erhielten als Erinnerung an die harmonische Wanderfahrt ein Weinpräsent aus den Weinlagen um die Burg Hornberg, damit jeder zu Hause bei dessen Genuss noch einmal die schönen Neckarbilder am geistigen Auge vorüber ziehen lassen konnte.
Am Morgen danach gelangten wir wieder per Bahn nach Mosbach und mit dem Landdienst weiter nach Neckarelz zu unseren Booten. Nun ruderten wir wieder flussabwärts, was ein Vergnügen war, allerdings spürten wir den dichteren Sonntagsverkehr auf dem Wasser. Sportboote und Ausflugsschiffe tummelten sich vermehrt auf dem Neckar. Trotzdem genossen wir auf der Fahrt in Richtung Eberbach ein letztes Mal den Blick auf die malerische Kulisse des Neckartales mit seinen zahlreichen Burgen und ein letztes Picknick bei der Schleuse Guttenbach (Resteverwertung).
Auf dem Gelände der Eberbacher Ruderer hieß es dann Boote putzen und die Habseligkeiten zusammenräumen. Anschließend saßen wir bei einer letzten gemeinsamen Mahlzeit beisammen, ehe die einzelnen Teilnehmer ihre Heimreise antraten – im Gepäck schöne Erinnerungen an eine gelungene Wanderrudertour mit vielen Eindrücken über die romantische Natur- und Kulturlandschaft des unteren Neckars.
Ilse Wagner, Überlinger Ruderclub Bodan

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