Vortour zum Wanderrudertreffen

Über Ill, Rhein, Nebenarme und Altrheine von Straßburg nach Bingen

Das diesjährige DRV-Wanderrudertreffen in Bingen war der Anlass, eine etwas unübliche Rheinroute als Vortour des Landesruderverbands Baden-Württemberg anzubieten, die einige Nebenwege des Flusses nutzte, um nach Bingen zu gelangen: Es wurde die Ill, der Rhein Rhone-Kanal, das Hafengebiet von Straßburg, der Rhein-Marne-Kanal berudert, danach  Kiesbaggerseen von Rheinau-Freistett und der Goldkanal bei Rastatt sowie die Altrheinarme von Plittersdorf und Lampertheim. Dieser  bei höherem Wasserstand noch weiter (z.B. Ketcher Altwasser, Kühkopf) optimierbare Weg in grüner Auwaldlandschaft, mit idyllischen Orten und mit glatten, schifffreien Wasserflächen wurde dann fortgesetzt bei der WRT-Tagestour von Mainz nach Bingen, denn der Veranstalter hatte in der ausgegebenen Flusskarte meist die Nebenwege auch dieses Rheinabschnitts markiert auf den von der Großschifffahrt gemiedenen Inselseiten.

Im Gebiet um Straßburg bieten sich mehrere Alternativen, mit dem Ruderboot nordwärts zu fahren: Einerseits der recht eintönige Rhein bzw. Rheinseitenkanal, zum zweiten der zwischenzeitlich reaktivierte alte Rhein-Rhone-Kanal, der südlich von Straßburg (31 km mit 10 Automatikschleusen) den Rhein mit dem Stadtzentrum verbindet, und zum dritten die Ill südlich von Straßburg, die ab Illkirch-Graffenstaden auf einer Strecke von ca. 10 km ohne Hindernisse mit Vieren beruderbar ist.

Wir – eine Gruppe von 13 Ruderinnen und Ruderern im Alter zwischen 40 und über 80 Jahren aus 10 verschiedenen Rudervereinen in Deutschland, Österreich und Dänemark - wählten die letzte Alternative und starteten nahe dem Zentrum von Straßburg bei dem Ruder- und Kanuclub ASCPA Strasbourg, dort wo Rhein Rhonekanal und Ill aufeinandertreffen. Von hier ruderten wir knapp 10 km Ill  erst aufwärts, dann wieder abwärts  zwischen Straßburg und Illkirch-Graffenstaden durch ein grünes Vorstadtgebiet mit repräsentativen Anwesen, Parkanlagen und Auwäldern. Die Ill abwärts von unserem Startpunkt in das historische Stadtzentrum ist für Ruderboote leider gesperrt. Deshalb besichtigten wir das pittoreske Altstadtzentrum  und das Münster schon am Tag zuvor.

Stattdessen wird der Sportbootverkehr um das Altstadtzentrum herum über die letzte Automatikschleuse des Rhein-Rhone Kanals (Rettungswesten sind Pflicht!) und danach durch das Hafengebiet geleitet.

Von hier aus ruderten wir über Rhein-Marne-Kanal und Ill zurück in Richtung Stadtzentrum bis zum Ruderverein „Aviron de Straßburg“ in unmittelbarer Nähe zum Europaparlament und dem Europäschen Gerichtshof für Menschenrechte.

Von dort aus ging es nach einem Mittagspicknick ein kurzes Stück weiter auf dem Rhein-Marnekanal, bis zu der Stelle wo die Aa den Rhein Marne Kanal quert und in die Ill mündet. Unsere Boote wurden über die nicht allzuhohe Uferböschung und über eine Brücke etwa 50 Meter weit bis zur Ill getragen. Das Einsetzen der Boote ist dort zwar wegen des steinigen Ufers nicht ganz einfach, diese Aktion wird danach jedoch belohnt durch einen mit guter Strömung ohne künstliche Hindernisse über mehr als 20 km zum Rhein mäandernden natürlichen Flusslauf. Einzelne umgefallene Bäume oder Untiefen könnten den Weg manchmal einengen, so dass Aufmerksamkeit geboten ist. Am Ufer finden sich schmucke Anwesen und der idyllische Ort „La Wantzenau“. Offiziell wird der Fluss als „innavigable“ beschrieben. Jeglicher Motorbootverkehr fehlt deshalb, nur Fischernachen und Kanuten gibt es hier.

Nach etwas mehr als 20 km mündet die Ill kurz nach einer künstlichen Engstelle (hohe Strömungsgeschwindigkeit!) unterhalb der Schleuse Gambsheim in den Rhein. Dieser wurde zum deutschen Ufer überquert und im Altrhein / Baggersee bei Freistett ging die erste ereignisreiche Tagesetappe nach 51 km zu Ende.

Am Tag darauf lernten wir nach dem Verlassen des Altrheins / Baggersses von Freistett die ab Basel von hohen Aufstauungen geprägte Charakterisik des Oberrheins vor der Schleuse Iffezheim kennen. Wegen einer Schiffskollission im Unterwasser war dort eine ziemlich lange Wartezeit von etwa 2 Stunden angesagt. Danach gibt es jedoch keine Stauwehre mehr und die Strömung ist so stark, dass wir mit einem Schnitt von 18 km/h den Rhein abwärts rudern konnten. Bis zum Endpunkt Bingen verringert sich der Einfluss der Strömung jedoch nach und nach bis auf 12 km/h.

Unsere Mittagspause machten wir am Ufer des idyllischen Plittersdorfer Altrheins auf dem Gelände des bewirtschafteten Schützenvereins. Von dort benötigten wir nur noch eine gute Stunde, um das Tagesziel des Ruderclub Rastatt am Goldkanal zu erreichen. Dort trafen wir auf die große Wanderrudergruppe von Christof Ehrle mit vielen uns bekannten Wanderuderinnen und - ruderern, die sich auf LuMa-Lagern im Bootshaus einquartiert hatten. Wir selbst übernachteten in einem Bildungshaus der kath. Kirche in Rastatt und konnten von dort aus einen Spaziergang durch das barocke Rastatt zu unserem Abendessenlokal unternehmen.

Die darauffolgende Etappe bis Germersheim ist mit ca. 40 km nicht allzu lang. Unterwegs konnten wir immer mehr Ruderboote beobachten, mehrere Ruderergruppen die dem WRT-Ziel Bingen entgegenstrebten. Wir trafen schon am frühen Nachmittag in Germersheim ein und nutzten den weiteren Tag um das Stadtzentrum von Speyer und den Dom zu besuchen, der durch die Klarheit des romanischen Baustils, seinen durch andere Bauwerke nur wenig eingeengten, hervorgehobenen Standort und seine freundlich wirkende Helligkeit sich von den anderen großen Kirchen am Rhein abhebt.

Den Abend verbrachten wir – wie eine weitere WRT-Vortour-Rudergruppe aus Berlin -  im sehr empfehlenswerten, bewirtschafteten Bootshaus der Germersheimer Ruderkameraden, bevor wir unsere Schlafplätze im Hotel aufsuchten.

Am Tag darauf ging es etwa 60 km weiter im Pulk der Rudervortouren, Mittagsrast im schön gelegenen bewirtschafteten Bootshaus des Mannheimer Ruderclubs an der Rheinpromenade, danach weiter – durch die Industrielandschaft von Ludwigshafen / Mannheim in den Lampertheimer Altrhein, wo der Wormser Ruderclub Blau Weiß zwei Bootshäuser unterhält. Das Ketscher Altwasser konnten wir wegen zu niedrigem Wasserstand nicht durchrudern. Nach unserer Einquartierung verbrachten wir den Abend in einem rustikalen Weinhaus in Lampertheim, bei einigen guten Tröpfchen von der hessischen Bergstraße.

Am letzten Tag der Vortour kam es einem vor, als sei man schon bei der WRT-Tagesfahrt, so groß war die Schar der Ruderboote inzwischen geworden, die flussabwärts fuhr. Von allen am Wasser befindlichen Stegen legten am Morgen Boote ab, bei der Mittagsrast am Strandbad in Oppenheim und beim Anlegen in Mainz beim Ruderverein, überall ein buntes Wanderrudertreiben und neue Mitglieder der Wanderruder-Großfamilie. Wir hatten den Eindruck, dass die Berufsschifffahrt an diesem Tag besonders vorsichtig navigierte, vielleicht hatte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung einen Hinweis auf unser buntes Treiben verbreitet?

Aus Zeitgründen konnten wir nicht den attraktiven Weg durch den Erfelder Altrheinarm um den „Kühkopf“ rudern, denn unsere Boote sollten gegen 15 Uhr beim Veranstalter des  DRV-WRT sein. Vorbei ging es an den Weinorten und Rebhängen von Oppenheim, Nierstein und Nackenheim in Richtung Mainz.

Wir gaben unsere Boote beim Fahrtleiter Karl-Heinz Roth und seinem Helferteam am Ausgangspunkt der Tagestour, dem Mainzer Ruderverein ab. Aus Sicherheitsgründen baten wir darum, dass ein auf unserer Vortour defekt gewordenes Steuer repariert wird, was uns bis zum kommenden Morgen zugesagt und erledigt wurde, dafür ein besonderes Dankeschön. Die meisten der Teilnehmer unserer Vortour klinkten sich nun in das Geschehen des DRV-WRT in Bingen und in die dort anwesende große Familie der Wanderruderer ein.

Im Rahmen der Tagestour des DRV-WRT wurde in neuer Bootsbesetzung gemäß der Bootseinteilung des Veranstalters die Strecke von Mainz nach Bingen vorbei an den steiler werdenden Hängen von Rheingau, Rheinhessen und Hunsrück gerudert mit den schönen Orten Wiesbaden Biebrich, Eltville, Geisenheim und Rüdesheim. Erwähnenswert ist, dass die Flussskizze, die die Bootsführer vom Veranstalter zur Orientierung erhalten haben, die Ruderstrecke meist an den Rheininseln auf der jeweils schifffahrtsarmen Seite mit glattem Ruderwasser auswies. Auch hier wurde versucht einen Weg in attraktiver Landschaft etwas abseits der Hauptschifffahrt zu wählen.

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