Genussrudern im Tessin

Bericht zur LRVBW-Gemeinschaftswanderfahrt 2009 auf dem Luganer See

Wanderfahrt Tessin

Über das verlängerte Himmelfahrtwochenende trafen sich 18 Ruderinnen und Ruderer aus den Baden-Württembergischen Vereinen (Ulm, Überlingen, Konstanz, Gaienhofen, Waldshut und Rheinfelden) zum gemeinsamen Rudern auf dem Luganer See. Dort wurden – wie schon mehrfach erprobt - ausgehend von einem Standquartier in der Jugendherberge von Figino unter Leitung von Wolfgang Bukatiuk (WSV Waldshut) mehrere Tagestouren in die verschiedenen Teile des verzweigten Seengebiets durchgeführt. Die Jugendherberge liegt in der Nähe des Seeufers an einem besonders schönen Punkt des Luganer Sees, 3 Minuten Fußmarsch zum Strand, an dem auch Boote gelagert werden können. Dies ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Wanderfahrt oder auch Standort für ein Trainingslager oder für eine Jugendfreizeit. Auch für begleitende Familienmitglieder und Freunde, die nicht rudern wollen, bieten sich Möglichkeiten für Schwimmaktivitäten am See, für Fahrradfahren oder für Wanderungen durch die idyllischen Tessiner Dörfchen auf der Höhe.
Die Anreise aus dem Norden erfolgt über die Nadelöhre Gotthard oder San Bernadino. Da hier, speziell an den reiseintensiven verlängerten Wochenenden, mit großen Staus und mehrstündigen Wartezeiten zu rechnen ist, wurde der Fahrtantritt in die sehr frühen Morgenstunden gelegt, so dass man schon zwischen 7 und 8 Uhr am Fuß des Gotthardmassivs ankam. Trotzdem gab es vor dem Tunneleingang schon einen Stau mit ca. 1 Stunde Wartezeit. Die Stausituation verschärft sich wenn die Gotthard Passstrasse witterungsbedingt noch geschlossen ist. Dies musste bei der Reiseplanung eingerechnet werden.

Als Zeitpunkt für das Eintreffen in Figino war 10 Uhr vereinbart und mit nur wenigen Minuten Verspätung konnte dies eingehalten werden. Die Boote wurden sofort zum Badestrand gebracht und aufgeriggert, der Bootstransporter und Begleitfahrzeuge wurden auf dem Gelände der Jugendherberge geparkt, das Gepäck in einem von der Jugendherberge zur Verfügung gestellten Raum bis zum Abend zwischengelagert. Gegen Mittag wurden die Boote zu Wasser gebracht und eine erste Halbtagestour gestartet.
Diese führte in die Bucht von Agno, danach vorbei an einem natürlichen Badestrand, durch die Bucht von Caslano, dann vorbei einem der malerischen alten Kalkbrennöfen, die es an verschiedenen Stellen rund um den See gibt. Landschaftlicher Höhepunkt dieser Tour ist die enge Durchfahrt bei Lavena mit dem schönen Campanile hinein in den idyllischen Seeteil bei Ponte Tresa. Dort befindet sich der gleichnamige Abfluss des Luganer See in Richtung Lago Maggiore unter einer Grenzbrücke zwischen Schweiz und Italien. Leider ist die Tresa in Richtung Lago Maggiore nicht beruderbar.
Nach einer Badepause und Einkehr zu Eis und Kaffee in einem der hübschen Restaurants an der engen Durchfahrt wurde der Rückweg zum Strand von Figino angetreten. Dort können die Boote in einer Ecke hinter dem Segelverein über Nacht gut gelagert werden. Nachdem die Boote versorgt sind, empfiehlt sich ein Bad im meist schon im Mai sehr warmen Wasser des Luganer Sees.
Danach wurden die einfach ausgestatteten, für Schweizer Verhältnisse jedoch preiswerten Zimmer (2 Bett-, 4-Bett, 10-Bett-Zimmer waren verfügbar) der JuHe im Casa Rustica bezogen zum Halbpensionspreis von ca. 30 bis 40 € pro Person und Nacht. Nach dem gemeinsamen Abendessen genießt man die milden Tessiner Nächte im Kreise der Ruderkameraden bei einem roten Merlot, den man am besten in Italien erworben hat, evtl. auch bei einem Boccia-Spiel oder bei einem Abendspaziergang auf die benachbarten Höhen oder durch den Ort.
Am nächsten Morgen wurden wir durch ein super Frühstück überrascht, welches – wie gewohnt - ebenfalls im Freien in der Tessiner Morgensonne genossen werden konnte. Heute war eine etwas größere Rudertour angesagt, denn die Wetterprognose war gut und an diesem Werktag war darüber hinaus mit wenig Boots- und Schiffswellen zu rechnen im Vergleich zum Wochenende und zum Feiertag.
Geplant war, bis Lugano zu rudern mit einem Zwischenhalt im Ruderclub von Paradiso, kurz vor Lugano. Je nach den Windverhältnissen, die hinter dem Melide-Damm herrschten, sollte während der Tour entschieden werden, ob dieser Seeteil berudert werden kann. Bei wenig Wind bietet sich auch an, in den nord-östlichen Seearm hineinzurudern,
der jedoch wegen seiner Südwest-Nordost Richtung und den umgebenden hohen Bergen als besonders windempfindlich angesehen werden muss. Eine Möglichkeit ist es in diesem Fall den Ruderclub am Ortsende von Castagnola anzusteuern, dort die Boote zu lagern und einen Fußmarsch durchzuführen in den schön gelegenen Ort Gandria. Der Weg führt entlang am Steilufer über eine imposante Treppenanlage mit schönen Ausblicken.
Wir ruderten vorbei an mondänen Villenanlagen in Figino, machten vor dem malerischen Ort Morcote eine erste kurze Fotopause. Hierher lohnt auch ein Landausflug – z.B. mit Leihrädern aus der JuHe - zu in den Steilhang integrierten Gartenanlagen (Parco Scherrer), durch die engen Gassen über die steilen Treppenanlagen zur Kirche und zum Friedhof, mit einer Reihe von Grabstätten von Menschen mit bekannten Namen. Wir ruderten nun in nordöstlicher Richtung weiter zum Melide-Damm. Da Windstille herrsche wurde dieser passiert in Richtung Lugano. Am Ruderclub von Paradiso wurde eine Pause auf dem sehr begrenzten Gelände gemacht, jedoch sind die dortigen Ruderer stets besonders freundlich bei unseren Besuchen gewesen, auch wennwir mit unseren 3 oder 4 Booten den Ruderbetrieb ziemlich störten. Man zeigte uns, trotzdem sind wir willkommen.
Etwas Unruhe kam auf, denn im Boot mit dem Fahrtleiter, welches zuletzt am Steg von Paradiso ankam, war eine dunkle Gewitterwolke hinter den Bergen bemerkt worden, die jedoch sonst niemand bemerkt hatte. Alle mussten nun ihre Boote schnell wieder zu Wasser bringen, um den Rückweg anzutreten. Jedoch hatte sich die Gewitterwolke, zwischenzeitlich aufgelöst. So konnten wir nun gemächlich vorbei an der italienischen Exclave Campione d´Italia, die ähnlich wie die deutsche Exclave Büsingen rundum von Schweizer Land umgeben ist, durch den Melide-Damm in Richtung Brusino rudern. Unser Ziel war nun Porto Ceresio. Dort legten wir am Steg des Ruderclubs bzw. an der öffentlichen Landestelle an, um gemeinsam eine große Portion des legendären italienischen Speiseeises aus einer unscheinbaren Gelateria im Ort zu vertilgen. In der Tat: Die Vielfältigkeit, der Geschmack und die Sahnigkeit des Eises werden dem schon legendären Ruf immer wieder gerecht. Das Eis genossen wir auf einer schattigen Bank und danach noch einen Cappuccino in einem Café neben dem großen Brunnen. Dann wurde die Rückfahrt nach Figino angetreten, die Boote versorgt, ein Bad genommen. In der Jugendherberge erwartete uns ein üppiger Grillabend, ein Super Ausklang nach diesem anstrengenden Rudertag – der natürlich wieder mit viel Merlot diskutiert und verarbeitet wurde.
Nach dem guten Frühstück wurde am Folgetag in 2 Gruppen gerudert: Eine Gruppe wollte eine kurze Rudertour unternehmen und an einem Strandbad die Fluten des Sees ausgiebig schwimmend genießen, die zweite Gruppe ruderte zum südlichen Seezipfel (Capolago). Auf dem Rückweg wurde auf dem südlichen Campingplatz von Melano eingekehrt. Der sehr freundliche Wirt versorgte uns neben den bestellten Getränken mit diversen Bruschetta-Delikatessen nach deren Verzehr wir auch dort den See schwimmend genossen. Am Abend wurden die Erlebnisse rekapituliert und dem Fahrtleiter Dank ausgesprochen für die gute Organisation der Gemeinschaftsfahrt.
Der nachfolgende Sonntag war unser Abreisetag. Um durch die Verkehrsstausituation am Gotthard nicht zu spät nach Hause zu kommen, sollte die Abreise am Vormittag erfolgen. Deswegen war eine morgendliche Frühruderrunde angesagt, bei frischer Morgenkühle, spiegelglattem Wasser, fehlendem Motorbootverkehr Genuss pur. Danach wurden die Boote verladen und die Heimreise angetreten. Die Wartezeit vor dem Gotthardtunnel betrug diesmal ca. 2 Stunden.
Insgesamt wurden während der Gemeinschaftsfahrt in 4 Tagen ca. 120 km gerudert.

Werner Rudolph

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